Die besten Teleobjektive für mFT-Systemkameras im Vergleich

Ein lichtstarkes Teleobjektiv für Sport- und Natur-Aufnahmen mit meiner mFT-Systemkamera sollte es sein. Und natürlich für Hochzeiten. Im Zoombereich zwischen 70 und 200 mm (auf Kleinbild umgerechnet). Zur Auswahl standen Panasonic und Olympus. Das von Olympus war gerade neu herausgekommen und ich wollte mich nicht auf Pressemeldungen verlassen, sondern lieber selber testen.

Die Alternativen: Lichtstarke Tele-Zoom-Objektive von Olympus und Panasonic

Tele-Objektive von Olympus und Pansonic für MFT im Vergleich

Lichtstarke Tele-Objektive von Olympus und Panasonic für MFT im Vergleich

Im Bild sieht man die beiden Teleobjektive für mFT-Systemkameras, die ich mir zum Vergleich bestellt habe. Eines davon sollte bleiben.

Das eine (rechts im Bild) ist das Panasonic H-HS35100E LUMIX G X Vario Telezoom 35-100 mm F2.8 Objektiv für rund 1099,- EUR.

Das andere (links) das Olympus M.Zuiko Digital ED 40-150mm 1:2.8 Pro Objektiv für 1100,- EUR (ohne Telekonverter) bzw. 1599,- EUR mit dem 1.4fach Telekonverter.

Wie man auf dem Bild sieht, ist der Größenunterschied schon auf den ersten Blick enorm. Und so schwer, wie das Olympus im Vergleich aussieht, ist es auch. Dafür bringt es eben auch umgerechnet 100 mm mehr Brennweite mit, entspricht also einem 80-300mm Teleobjektiv bezogen auf Kleinbildformat. Das ist schon eine ordentliche Reichweite, und das auch noch mit durchgehender Blende 2.8.

Damit sind die Einsatzbereiche der beiden Objektive aber auch nicht mehr unbedingt identisch. Wenn ich einmal in Kleinbild-Brennweiten vergleiche: Ein 70-200 mm Objektiv ist ideal für Porträts und Hochzeiten, bei denen man sich unter die Leute mischt und das eine oder andere Gesicht heranzoomen möchte. Dafür braucht man die Brennweite zwischen 200 und 300 mm eher selten.

Das Olympus bringt diese zusätzliche Brennweite nun aber mit und fängt nur wenig über dem Panasonic an. Man bekommt also mehr Brennweite in einem Objektiv bei gleicher Lichtstärke und fast gleichem Preis, hat dafür aber deutlich mehr Gewicht herum zu tragen.

Für mich war das Olympus auch deshalb so attraktiv, weil es zusammen mit dem eigens dafür designten 1,4-fach Telekonverter auf eine Gesamtbrennweite von umgerechnet 420 mm kommt. Und damit lassen sich Fussballer und scheue Tiere wirklich nah heranholen. (Auf meinen Testbildern ist es leider nur das Dach des Hauses gegenüber. Aber für eine Expedition in die Wildnis hatte ich gerade keine Gelegenheit und wollte ja eines von beiden unversehrt zurück geben.)

Schönes Detail am Rande: Am Olympus ist die Streulichtblende über einen kleinen Mechanismus verschiebbar, so dass man sie nicht abzuschrauben braucht.

Nur das Panasonic Telezoom hat einen eingebauten Bildstabilisator

Wichtig ist aber auch: Nur im Panasonic Objektiv ist der Bildstabilisator eingebaut. Olympus verlässt sich voll auf den in der Kamera eingebauten 5-Achsen-Stabilisator. Da ich hauptsächlich mit Olympus Kameras fotografiere und die Panasonic GH4 fast nur zum Filmen verwende, war der Stabilisator im Panasonic Objektiv daher nicht so interessant. Beim Filmen würde ich sowieso ein Stativ verwenden und könnte auf einen Stabilisator im Objektiv verzichten. Für Benutzer von Panasonic Kameras heisst das aber auch, dass sie das Olympus Telezoom nur mit sehr kurzen Belichtungszeiten zum Fotografieren aus freier Hand verwenden könnten und in den meisten Fällen ein Stativ verwenden müssten. Natürlich habe ich früher auch mal ein Telezoom ohne Stabilisator an meiner Spiegelreflexkamera gehabt und konnte damit auch fotografieren. Aber heute ist man da schon etwas verwöhnter, was die Belichtungszeiten und die erwartete Bildschärfe bei Freihandfotografie angeht.

Signifikante Unterschiede in der Bildqualität?

Alle technischen Details, Gewichts- und Größenunterschiede rücken ja in dem Moment in den Hintergrund, in dem ein Objektiv ganz deutlich bessere Bilder macht als das andere. Bei meinem Bildvergleich wollte ich außerdem sehen, wie groß der Unterschied im Zoombereich tatsächlich ist. So richtig viele spannende Bilder habe ich dafür nicht gemacht. Meine Antwort hatte ich relativ schnell, indem ich einmal vom Dachboden über die Gärten der gegenüberliegenden Häuser (damals noch in Greifswald) fotografiert habe.

Die Bilder sind alle vom Stativ gemacht, auch damit sich der Bildausschnitt nicht zwischendurch ändert. Kamera war die Olympus OM-D E-M1. Fotografiert habe ich im RAW-Format und dann eine Grundentwicklung in Lightroom gemacht (bei beiden Objektiven genau gleich).

Hier meine Testbilder, zuerst mit der niedrigsten Zoomeinstellung.

Panasonic Teleobjektiv bei 35 mm

Panasonic Teleobjektiv bei 35 mm

Olympus Teleobjektiv bei 40 mm

Olympus Teleobjektiv bei 40 mm

Und dann bei längster Brennweite:

Panasonic Teleobjektiv bei 100 mm

Panasonic Teleobjektiv bei 100 mm

Olympus Teleobjektiv bei 150 mm

Olympus Teleobjektiv bei 150 mm

Von der Brennweite her war für mich Olympus der klare Sieger. Vorne fehlt nur wenig und hinten gab es reichlich mehr. Ich fragte mich, ob es denn sein könnte, dass bei einem Objektiv mit größeren Zoombereich auch noch die Bildqualität besser sein könnte. Doch in diesem Fall hatte auch wieder das Olympus die Nase leicht vorne. Ich empfand die Bilder als ein ganz kleines bisschen schärfer, als bei dem Panasonic (auch wenn man das in den Beitragsbildern nicht erkennen kann). Dennoch war die Bildqualität auch bei Panasonic hervorragend. Also so, dass ich es bedenkenlos hätte kaufen können, wenn nicht bei mir andere Argumente die Überhand gewonnen hätten. Dazu gleich.

Nicht zum Vergleich, aber für meine Neugier habe ich auch noch einige Bilder mit dem Telekonverter gemacht, den ich mit dem Olympus Telezoom bekommen hatte.

Olympus Teleconverter zum 40-150mm Teleobjektiv

Olympus Teleconverter zum 40-150mm Teleobjektiv

Man sieht, dass der dank seiner eigenwilligen Gestaltung nur zu bestimmten Objektiven passen kann. Olympus hat ihn wirklich extra für das 40-150 mm Telezoom entwickelt. Und zusammen mit Objektiv und Kamera sieht das dann schon ziemlich groß aus. Wobei das Gewicht immer noch nicht ganz an das einer digitalen Spiegelreflex mit 70-200 mm Objektiv heranreicht. Aber mal eben aus der Jackentasche zieht man sie so eben auch nicht mehr.

Olympus E-M1 mit Teleobjektiv und Teleconverter

Olympus E-M1 mit Teleobjektiv und Teleconverter

Welches soll man kaufen?

Mein Fazit ist nicht eindeutig. Behalten habe ich letztlich das Olympus mit Telekonverter, einfach weil ich die Brennweite für die Naturfotografie haben möchte. Hätte ich rein professionell gedacht, wäre meine Entscheidung anders ausgefallen. Und wer das Olympus mit in den Urlaub nimmt, muss schon besonderen Ehrgeiz haben. Zu Spiegelreflexzeiten waren wir soviel Gewicht ja gewohnt, aber wer heute eine Systemkamera besitzt, hat da eigentlich keine Lust mehr drauf.

Hier meine Gedanken dazu in Listenform.

Pro- und Contra-Vergleich der Teleobjektive für mFT Systemkameras

Panasonic H-HS35100E LUMIX G X Vario Telezoom 35-100 mm F2.8 Objektiv

PRO:

  • kompakte Bauform
  • vergleichsweise leicht (eine echte Freude, wenn man es mit einem 70-200 mm f2.8 für Kleinbild vergleicht)
  • hohe Lichtstärke
  • gute Bildqualität
  • eingebauter Stabilisator (für Nutzung mit Panasonic Kameras)
  • geringerer Preis

CONTRA:

  • geringere Brennweite im Vergleich zum Olympus
  • evtl. minimal geringere Bildschärfe

Idealer Einsatzbereich: Porträt, Hochzeiten, Events, Reisefotografie

Olympus M.Zuiko Digital ED 40-150mm 1:2.8 Pro Objektiv 

PRO:

  • hohe Lichtstärke
  • sehr gute Bildqualität
  • grosse Brennweite
  • besonders in Verbindung mit dem Teleconverter MC-14

CONTRA:

  • hohes Gewicht und Größe
  • höherer Preis

Idealer Einsatzbereich: Porträt, Naturfotografie, Sportfotografie (wobei der Autofokus zum limitierenden Faktor wird)

Ich hoffe, meine Gedanken können bei der Entscheidung für eins der beiden Objektive unterstützen.

Inzwischen habe ich einige Erfahrung mit dem Olympus 40-150 mm PRO Objektiv sammeln können. Die Praxis bestätigt den ersten Eindruck. Die Bildqualität ist top. Das Handling schwerfällig. Auf einen Vogel im Flug scharf zu stellen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit eine echte Herausforderung. Da hilft vielleicht der verbesserte Autofokus der OM-D E-M1 Mark II, wenn sie dann zu haben ist.

Hier noch zwei aktuelle Herbstbilder, die ich mit dem Olympus Tele bei 150mm und Blende 2.8 gemacht habe. Die Schärfe und Freistellung finde ich fantastisch.

olympus_40-150 2.8 pro tele herbstbilder olympus_40-150_pro_telezoom_herbstbild

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By | 2016-10-30T14:35:05+00:00 25. Oktober 2016|Ausrüstungstipps, Tipps zur Fotografie|4 Comments

About the Author:

Die Mischung von Fotografie und Film, also Foto-Video-Fusion, hat sich zu einem meiner Schwerpunkte entwickelt. Als Hochzeitsfotograf und Filmer bin ich in Hamburg und häufig auf Rügen und Hiddensee unterwegs, wo ich einige Zeit gewohnt habe. Neben den Menschen liebe ich auch die Natur und Tiere, so dass ich mich besonders freue, wenn ich mit meinen Paaren Zeit in der Natur verbringen kann. In meiner Freizeit schreibe ich gerne, sowohl im Blog als auch in Büchern. Meine Fachbücher sind im Buchhandel und online erhältlich.

4 Comments

  1. Christian Duxa 26. Oktober 2016 at 14:49 - Reply

    Der benutzte Olympus Telekonverter, kostet leider eine ganze Blende! Ein wesentlicher Fakt, der leider keine Erwähnung fand, warum eigentlich nicht? Ich habe beide Zoom Tele mehrmals ausprobiert, mich schließlich für das Pana/Leica 100 – 400 mm entschieden, und diese Entscheidung bis heute nicht bereut! Dazu habe ich kürzlich das passende 35 – 100 mm von Panasonic erworben, auch dies war ein gut überlegter Kauf. Beim Erwerb habe ich zugegebener Weise längere Zeit gezögert, weil ich auch noch das Olympus 35 – 100 mm f:2.0 (mit FT Bajonett!) benutze, das nach meinem Dafürhalten beste Objektiv, welches je von Olympus gebaut wurde. Benutze dieses auch weiterhin, insbesondere für Porträtfotos. Ansonsten ziehe ich deutlich die Nutzung von Festbrennweiten vor.Es kommt halt immer auf die Aufgaben und Bedingungen an.

    • Hendrik 26. Oktober 2016 at 18:43 - Reply

      Hallo Christian,
      danke für deinen Erfahrungesbericht.
      Den Teleconverter wollte ich in den Vergleich nicht im Detail einbeziehen, weil das Olympus schon ohne den TC eine längere Brennweite hat.
      Zum Thema Telekonverter habe ich vor einiger Zeit auch schon einmal einen separaten Artikel geschrieben: https://roggemann-fotografie.de/guenstiger-b-i-g-telekonverter-im-test/
      Da erwähne ich unter anderem auch die Schattenseiten eines Telekonverters.
      Lg,
      Hendrik

  2. Christian Duxa 26. Oktober 2016 at 19:06 - Reply

    Hendrik, erst einmal danke für Deine schnelle Antwort, damit hatte ich sicher nicht gerechnet. Ich erlaube mir einmal eine Bemerkung, zu Deinem sicherlich sehr sorgfältig durchgeführten Test. Ist Dir bekannt, das es noch immer sehr viele Fotografen gibt, die bewusst und gewollt noch ihre alten Objektive mit FT Bajonett, an ihrer Olympus Systemkamera benutzen, einfach weil sie deren Qualität (Pro Objektive) noch heute höher einschätzen?
    Trotz deren zweifellos höheren Gewicht, Glas wiegt halt. Mich persönlich hätte sehr die Gegenüberstellung, oder der Vergleich vom 35 -100 mm f:2.0, mit dem von Dir favorisierten 40 – 150 mm interessiert! Nicht nur mich, wie ich aktuelle im Bekanntenkreis erfahren habe.

    • Hendrik 26. Oktober 2016 at 19:23 - Reply

      Ich freue mich, wie ernsthaft mein Objektivvergleich angenommen wird. Mein Blog ist ja aber keine Testzeitschrift, sondern eine Sammlung meiner persönlichen Erfahrungsberichte. Und für mich kam zu dem Zeitpunkt nur eines der beiden genannten Objektive in Frage. Zum Arbeiten mit dem verbliebenen Teleobjektiv von Olympus kann ich noch ein anderes Mal ein paar Zeilen schreiben. Am liebsten hätte ich auch das Panasonic nochmal. Denn das hat in bestimmten Situationen auch seine Vorteile. Leider musste ich mich aber für eines entscheiden…

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