Eine Leserin schreibt mir folgendes per Mail.

„… Ich bin Hobbyfotografin und möchte mir einen kleinen Nebenverdienst mit der Fotografie erwerben. Nun stehe ich aber vor der großen Frage, woher die Kunden?
Wenn ich auf Facebook poste, dass ich für Testshootings und Übungszwecke Models suche, meldet sich fast keiner.
Wie kann ich People Fotografie ausbauen und darin besser werden?
Ich möchte die Fotografie gewerblich an den Wochenenden betreiben und benötige einen Rat, wie man am besten an Kunden kommt.
Gibt es hierfür vielleicht einen Blog oder einen Newsletter?…“

Damit stellt sie eine Frage, die so unglaublich viele Fotografen bewegt, dass ich gerne einmal in einem Artikel darauf eingehen möchte.

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Schöne Porträtfotos sind immer noch ein beliebtes Geschenk für sich selbst oder andere – das kann man auch als Hobbyfotograf

Wie man als Hobbyfotograf mit seinen Fotos im Nebenerwerb Geld verdienen kann

In der Frage steckt schon eine wichtige Differenzierung, auf die ich beim flüchtigen Lesen beinahe hereingefallen wäre. Es geht nicht darum, sich als professionelle Fotografin selbstständig zu machen. Es geht darum, mit dem Hobby etwas Geld nebenher zu verdienen.

Häufig begegnet man diesem Wunsch in zwei Varianten:

Es ist, um Geld für neue Ausrüstung zu verdienen und das Hobby zu finanzieren

Eine gute Fotoausrüstung ist teuer und darf gerne ein bisschen was "dazuverdienen".

Eine gute Fotoausrüstung ist teuer und darf gerne ein bisschen was „dazuverdienen“.

Das kann man gut machen. Sowas bezeichnet das Finanzamt als Liebhaberei und erkennt das steuerlich nicht an. Was den Liebhaber der Fotografie natürlich nicht davon abhalten soll, seiner Liebhaberei nachzugehen. Das machen ziemlich viele Hobbyfotografen. Man muss auch nicht besonders sorgfältig kalkulieren, sondern freut sich einfach, wenn man fürs Fotografieren, dass man ja mehr oder weniger „sowieso“ macht, etwas Geld bekommt (das man natürlich ordnungsgemäß versteuern muss, worauf ich aber in diesem Artikel nicht weiter eingehen möchte).

Es soll ein echtes Einkommens-Standbein werden

Wenn man sich für seinen Lebensunterhalt zusätzliches Geld verdienen will/muss und das lieber mit Fotografieren macht als kellnern zu gehen, dann lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, wie man das machen könnte.

Hier fotografiert man im Gegensatz zur Liebhaberei nicht mehr nur „sowieso“, sondern öfter „weil das ein Auftrag ist“.

Aber Achtung: Die Kostenkalkulation eines Hobbyfotografen, der einer Liebhaberei nachgeht und die eines Fotografen im Nebenerwerb, der wirklich Gewinne einfahren will, ist sehr unterschiedlich.

Hier reicht es nicht, fürs Fotografieren einen beliebig niedrigen Geldbetrag zu bekommen. Das Fotografenhonorar muss hier alle relevanten Kosten decken und soll ja auch noch etwas zusätzlichen Gewinn abwerfen. Wenn man hier nicht richtig rechnet, lügt man sich etwas vor und macht am Ende möglicherweise noch Verlust. Hier lauert eine häufige Falle. Das wäre einen eigenen Artikel wert.

Haustiere sind ein beliebtes Motiv, gerade auch für Hobbyfotografen

Haustiere sind ein beliebtes Motiv, gerade auch für Hobbyfotografen

Wie findet man die ersten Kunden?

Als Hobbyfotograf, der sich nur etwas Geld im Nebenerwerb verdienen möchte, hat man einen unschätzbaren Vorteil: Man braucht keinen riesengroßen Markt und muss nicht so weit in der Ferne suchen. Es reicht oft, ein paar Kunden vor der eigenen Haustür zu finden. Und das geht als Hobbyfotograf am Besten im bestehenden Umfeld.

Beispiele gefällig?

  • Wenn du Kinder hast, fotografierst du zunächst deine eigenen und zeigst die Bilder anschließend allen anderen Eltern, die dir über den Weg laufen und bietest an, für etwas Geld auch deren Kinder zu fotografieren.
  • Mal ein Beispiel für nicht People-Fotografen: Wenn du Freunde hast, die gerne an Autos herumschrauben (Car-Tuning), fotografiere deren Autos so, dass deren Freunde aus der Motor-Szene auch solche Bilder wollen.
  • Wenn du selbst gerade in dem Alter bist, in dem alle Leute heiraten, fotografiere die Hochzeit eines Freundes und nutze die Bilder, um damit Werbung im erweiterten Bekanntenkreis zu machen. Irgendwer aus der Gruppe heiratet bestimmt als Nächstes.
  • Wenn du selber noch jung bist, dann hast du bestimmt auch junge Frauen im Bekanntenkreis, die gerne fotografiert werden. Nutze das zunächst zum Aufbau deines Portfolios und fotografiere dann die Freundinnen deiner Freundinnen für Geld.
  • Auch wenn du nicht mehr so jung bist (aber idealerweise weiblich) kannst du immer noch Frauen aus deinem Umfeld fotografieren. Im Porträtbereich sind reifere Kundinnen (die oft auch mehr Geld haben als ganz junge) ein sehr guter Markt. Männer geben weniger Geld für Fotografien aus.
  • Wenn du Haustiere hast, am besten Pferde oder Hunde, fotografiere diese und dann alle Haustiere deines Bekanntenkreises.

Insgesamt ist es extrem nützlich, wenn man über einen großen Bekanntenkreis verfügt (echte Bekannte, nicht nur „Facebook-Freunde“) und gut in einer Gemeinschaft vernetzt ist. Und je weiter man streut, dass man sich als Fotograf über (auch kleinere) Aufträge freut, desto besser.

Die Küste von Rügen aus der Luft betrachtet

Die Küste von Rügen (Kap Arkona) aus der Luft betrachtet – eine der wenigen Perspektiven, die es in Bildagenturen noch nicht so häufig gibt.

Stockfotografie

Eine Besonderheit stellt die sogenannte Stockfotografie dar, bei der man seine Fotos nicht für einen speziellen Kunden macht, sondern Fotos, die man ohne Auftrag gemacht hat, zum Verkauf anbietet. Bildagenturen (z.B. fotolia und viele andere) fungieren hier als Vermittler zwischen Fotografen und Kunden, die sich auf der Internetplattform der Agentur aus vielen tausend Bildern das passende aussuchen und direkt herunterladen können (gegen Bezahlung natürlich).

Das ist besonders für Hobbyfotografen reizvoll, da man ja häufig Unmengen an Fotos ungenutzt auf der Festplatte herumliegen hat, die vielleicht jemand anderes brauchen könnte.

Sonnenuntergang in Mecklenburg-Vorpommern

Mit Sonnenuntergängen ist leider kaum Geld zu verdienen.

Darauf sind natürlich auch andere schon gekommen, so dass der Markt an Sonnenuntergängen und Blumenmakros ziemlich gesättigt ist. Im Bereich der Peoplefotografie ist der Einstieg eher möglich, weil die Hürde etwas höher ist, da man von jeder fotografierten Person eine schriftliche Erlaubnis einholen und diese bei der Bildagentur auch einreichen muss.

Wer sich für diesen Zweig der Fotografie interessiert, sollte unbedingt das Buch „Stockfotografie – Geld verdienen mit eigenen Fotos“ von Robert Kneschke lesen.

Eine Webseite

Dass man als Fotograf heutzutage eine Webseite hat, auf der man aktuelle Fotos zeigt, sollte selbstverständlich sein.

Vielen denken, die Webseite müsste außerdem ganz besonders „professionell“ sein und wirken. Ich finde, sie muss unbedingt authentisch sein.

Es ist gar keine Schande, ein Hobbyfotograf zu sein, der mit seinem Hobby auch etwas Geld verdient. Und es gibt Kunden, die kommen ganz genau deshalb. Sie finden es sympathisch, dass da jemand in seinem Hobby so aufgeht und freuen sich, vor genau dessen Kamera zu gehen. Man hat dann gemeinsam eine gute Zeit und bezahlt am Ende gerne ein paar Euro dafür.

Die Webseite eines Hobbyfotografen sollte also genau das transportieren: Begeisterung und Leidenschaft ohne das Kommerzielle zu sehr in der Vordergrund zu rücken.

Durch übertrieben professionelles Auftreten macht man es sich als Hobbyfotograf unnötig schwer und vergrault möglicherweise sogar die Kunden, die einem sympathisch gewesen wären.

Dafür bekommt man Kunden, die dann auch eine super professionelle Abwicklung erwarten, die man im Zweifelsfall mangels Routine nicht oder nicht immer liefern kann. Schließlich sprechen wir noch von einem Hobby mit Nebenerwerb.

Besser werden

Gemeinsam in einer Gruppe zu lernen macht oft einfach mehr Spaß als alleine am Computer zu sitzen. - Ein Bild aus einem meiner früheren Seminare zur Hochzeitsfotografie

Gemeinsam in einer Gruppe zu lernen, macht oft einfach mehr Spaß, als alleine am Computer zu sitzen. – Ein Bild aus einem meiner früheren Seminare zur Hochzeitsfotografie

Der zweite Teil der Frage beschäftigte sich ja damit, wie man in der (People-) Fotografie besser wird. Als Hobbyfotograf hat man ja keinen Zeitdruck und kann sich ganz in Ruhe weiterbilden.

Um das Auge zu schulen, hilft es, sich viele Bilder von bekannten Fotografen anzusehen und sich idealerweise auch mit Kunst im weiteren Sinne zu beschäftigen. Auch wenn man sich nicht mit allen Hintergründen beschäftigt, lernt man doch einfach durch die Erfahrung mit der Zeit, was ein „gutes Bild“ ausmacht. Auch Workshops oder Coachings von erfahrenen Fotografen können hilfreich sein.

Im Internet findet man viele Ressourcen, sei es auf Youtube oder auf professionellen Lernplattformen.

Hier einige Links zu hochwertigen Angeboten:

  • FotoTVhttps://www.fototv.de/ – ein Online-Fernsehsender, der sich genau auf die Bedürfnisse von Hobbyfotografen ausgerichtet hat. Ein Abo eröffnet einem eine riesige Bibliothek mit Lehrfilmen zu allen fotografischen Themen
  • CreativeLive : https://www.creativelive.com/ – ein amerikanischer Kanal, auf dem man komplette Seminare über mehrere Tage online live und kostenlos ansehen kann. Zielgruppe sind hier Semiprofis und Amateuere mit professionellem Anspruch. Hier findet man teilweise namhafte Lehrer, die ihre Erfahrungen weitergeben. Hat man ein Seminar verpasst (oder will es mehrmals ansehen), kann man es nachträglich käuflich erwerben. Auch Themen wie Existenzaufbau, Preisgestaltung und Kundengewinnung kommen häufig vor. Einiges muss man für den deutschen Markt etwas umdenken.
  • Video2Brainhttps://www.video2brain.com/de/ – hier findet man viele Online-Kurse zu technischen Themen wie Bildbearbeitung oder auch Videoschnitt in deutscher Sprache. Video2Brain gehört einer amerikanischen Firma, nämlich
  • Lyndahttp://www.lynda.com/ – Im Grunde dasselbe wie Video2Brain nur auf Englisch und mit noch mehr Auswahl. Der Lehrstil ist auf Amerikanisch etwas anders und liegt mir persönlich mehr.

Dazu gibt es ein großes Angebot an Praxis-Workshops verschiedener Fotografen, die man sich je nach Gebiet und Neigung aussuchen sollte. Ein großer Pluspunkt von Workshops ist, dass man sich nicht nur mit dem Dozenten sondern auch den anderen Teilnehmern austauschen kann, was häufig noch einmal andere Perspektiven ergibt und zu Spaß und neuen Freundschaften führen kann.

Fazit

Wer mit seinem Hobby ein bisschen Geld nebenbei verdienen möchte, muss sich nicht professioneller darstellen als er ist. Lieber sollte man herausstellen, was man als Hobbyfotograf an Vorteilen mitbringt: Leidenschaft, ausreichend Zeit, Liebe zum Detail, etc.

Ein Nebenerwerb mit einem so beliebten Hobby wie Fotografie ist gut möglich. Mit ein bisschen Ausdauer kann man sich einen Kundenkreis erarbeiten, der die individuelle Betreuung und den Spaß beim Fotografieren bzw. fotografiert werden besonders zu schätzen weiß.

Wie schnell und intensiv man wachsen und besser werden möchte, hängt vom persönlichen Ehrgeiz und der zur Verfügung stehenden Zeit ab.