Quato GrafikmonitorFür viele Fotografen steht immer mal wieder die Frage im Raum, welchen Monitor sie sich für die Bildbearbeitung anschaffen sollen.

Eine umfassende Marktübersicht ist schwierig. Die technischen Features und Besonderheiten im Detail zu verstehen auch.

Deshalb möchte ich eine sehr kurz gefasste Empfehlung geben und ein gaaanz klein wenig Hintergrundinformation.

Einige Begriffe spielen in der Diskussion von Monitoren immer wieder eine Rolle

Farbraum

Es gibt verschiedene Farbräume, die jeweils Ausschnitte aus dem Spektrum der in der Natur existierenden Farben darstellen. Ziel ist es, so viele Farben wie möglich in einem Farbraum abzubilden. Je größer der Farbraum, den ein Monitor darstellen kann, desto besser. ALLE Farben der Natur kann kein Monitor darstellen.

Die üblichen Farbräume sind sRGB, Adobe RGB und ProPhoto RGB, wobei sRGB der “kleinste” Farbraum ist, der den Vorteil hat, dass ihn fast alle Geräte darstellen können. ProPhoto RGB hat einen größeren Farbumfang, ist aber technisch nur auf wenigen Monitoren darstellbar. Auf einfachen Monitoren sieht man einfach die feinen Farbunterschiede nicht.

Wenn man als Fotograf nur für Privatkunden arbeitet, reicht der sRGB-Farbraum in aller Regel aus, da sowohl normale Monitore (der Kunden) als auch Fotolabore und Albenhersteller nicht mehr als sRGB verarbeiten können. Erst in der professionellen Bildweiterverarbeitung, z.B. in Werbeagenturen und Co. wird ein breiteres Farbspektrum in der täglichen Arbeit verwendet.

Monitor-Panel

Ein Monitor besteht aus verschiedenen Bauteilen, von denen eins der entscheidenden das sog. Panel ist. Das ist die Anzeige des Bildschirms, auf der die farbigen Pixel dargestellt werden. Das Panel ist ein Bauteil, das die Monitorhersteller im Großhandel kaufen und mehr oder weniger modifiziert in ihre Bildschirme einbauen. Dabei gibt es Panels, die besonders gut für die Bildbearbeitung und farbtreue Darstellung geeignet sind. Und meistens sind das die, die etwas teurer sind. Als nächste Steigerung gibt es Panels, die einen besonders großen Farbraum darstellen können, sog. Wide-Gamut-Panels. Die sind am teuersten, und wenn ein Monitorhersteller so ein Panel einbaut, ist der Monitor automatisch teuer. Da die großen Monitor-Hersteller im Grunde alle die gleichen Panels verbauen, sind hier keine Wunder an Preis- oder Leistungsunterschieden möglich.

Kalibrierung und Profilierung

i1 Display Messkopf zur MonitorkalibrierungZwei Begriffe, die auch gerne mal durcheinander gewürfelt werden. Ich versuche es mal stark vereinfacht: Der Monitor wird “kalibriert”, so dass er Farben möglichst wahrheitsgetreu wiedergeben kann.

Beim Kalibrieren des Monitors wird ein Farbsignal zum Bildschirm geschickt, z.B. ein “grünes”. Dann misst ein Messkopf, ob er aus dem “grünen Signal” auch wirklich eine grüne Fläche (Pixel) macht. Die Einstellungen am Monitor werden so lange verändert, bis das gesendete Farbsignal mit dem gemessenen (so gut wie möglich) übereinstimmt.

Werden die Einstellungen am Monitor durch eine Kalibrierungssoftware automatisch verändert und im Monitor gespeichert, nennt man das „Hardwarekalibrierung„. Das ist nicht nur komfortabel, sondern auch besonders präzise.

Dann folgt die Profilierung, die eine Abstimmung der Grafikkarte mit dem Monitor vornimmt. Eine Art Übersetzung, die dafür sorgt, dass ein “grünes Signal” der Grafikkarte (also eine Farbinformation) vom Monitor auch entsprechend umgesetzt wird. Wenn der Monitor nicht gut kalibriert ist oder technisch an seine Grenzen kommt (z.B. weil das Panel nicht alle Farben beherrscht), greift das Profil ein und “verbiegt” das Signal so, dass der Monitor der gewünschten Darstellung am Nächsten kommt. Enthält ein Bild also Farben, die ausserhalb der Darstellmöglichkeiten des Monitors liegen, wird das Bild durch das Farbprofil “vereinfacht”, so dass es darstellbar wird. Das Ergebnis der Profilierung ist ein Farbprofil für die Kombination aus Monitor und Grafikkarte, das auf dem Computer gespeichert und automatisch vom Betriebssystem bei der Arbeit mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop oder Lightroom verwendet wird.

Zum Kalibrieren und Profilieren eines Monitors braucht man ein Messgerät und eine passende Software. Bei manchen Profimonitoren ist beides schon dabei. Seit neustem manchmal sogar schon eingebaut. Für andere Monitore kann man externe Messgeräte kaufen.

Das Messgerät wird am Bildschirm angebracht und die Software führt die Messungen durch und erstellt ein individuelles Farbprofil.

Konkrete Produkte

Mein Favorit unter den Monitorherstellern ist Quato. Ich arbeite selber mit einem hardwarekalibrierbaren Monitor von Quato und bin sehr zufrieden. Der Wechsel von einem normalen Konsumermonitor auf diesen (Intelliproof Excel 262) war wie der Eintritt in eine neue Welt. Vorher war es ziemlich frustrierend, z.B. Retuschefehler erst im Ausdruck zu sehen, aber nicht auf dem Monitor.

Quato bietet aktuell in der Serie IntelliProof WideGamut-Monitore in Größen bis zu 30 Zoll an (mit 24 Zoll z.B. den IntelliProof 242 LE).

NEC SpectraView ReferenceEbenfalls sehr gute professionelle Monitore macht Eizo mit der ColorGraphic Serie (zum Beispiel der CG241W) und NEC mit der SpectraView Reference Serie (z.B. SpectraView Reference 241).

Der Haken an professionellen Monitoren ist der hohe Preis (ab etwa 1300,- EUR geht es los) , der das Budget von Berufseinsteigern häufig sprengt.

Eine günstigere Alternative, die vor kurzem in mehreren Testberichten gute Kritiken bekam, kommt von LG.

Den Modellen IPS225V (22 Zoll) und IPS235V (23 Zoll) wird eine hohe Farbtreue attestiert (und auch gemessen !). Das ist schon eine Menge Wert, auch wenn es sich nicht um Wide-Gamut-Monitore handelt und sie daher nur den sRGB-Farbraum voll abdecken.
Bei einem Preis von … unter 200,- EUR !

Wenn man sich ein Messgerät kaufen möchte, muss man bei einem hardwarekalibrierbaren Monitor darauf achten, dass es zu diesem kompatibel ist.

Spyder 3 ElitePopuläre Geräte zur Monitorkalibrierung sind: i1 Display (ein älteres Modell davon verwende ich selber) und Spyder 3 Elite. Hier sollte man beim Kauf auf die Version achten, da Light-Versionen zwar günstiger, aber für den professionellen Einsatz nicht ausreichend sind.