Manchmal möchte ich es ja genauer wissen. Ein Blogartikel des Fotografen Ian Norman auf PetaPixel erregt derzeit weltweit Aufsehen. Er beschreibt, wie er manuell eine Aufnahme mit beinahe 100 Megapixel Auflösung aus einer 24 Megapixel Kamera holt. Dabei macht er sich nach eigenen Angaben eine Technik zu nutze, die in High-End Kameras wie der Hasselblad 200MP H5D mit Multishot-Rückteil aber auch der aktuell viel gelobten Olympus E-M5 Mark II genutzt werden. Nämlich einer leichten Sensorverschiebung. Diese kann man ja auch aus der Hand erreichen. Man nennt das Verwackeln.

Nach dem Rezept von Ian Norman lässt sich durch Stapeln von 20 „verwackelten“ Aufnahmen ein schärferes Bild mit höherer Auflösung berechnen. Klingt faszinierend.

Natürlich soll jede einzelne Aufnahme nicht verwackelt sein.

Auch die Fachzeitschrift Docma hat den Artikel nahezu 1:1 in ihren Blog übernommen. Allerdings ohne eigene Fotos zu machen und ohne wirklich detaillierte Beschreibung des Ablaufs. Ich empfehle daher, den Originalartikel zu lesen, wenn man das Experiment nachmachen möchte.

Ich war neugierig und habe die Schritte einmal mit eigenen Testbildern nachvollzogen. Dazu bin ich bei bestem Sonnenschein zu den modernen Gebäuden der Uni Greifswald geradelt und habe insgesamt drei verschiedene Testmotive fotografiert. Eins davon zeige ich hier. Die Ergebnisse waren bei allen Bildern gleich.

Kurz zum Rezept:

Man soll 20 oder mehr Aufnahmen aus der Hand vom gleichen Motiv machen und dabei am besten die Serienbildfunktion der Kamera nutzen. Anschließend öffnet man diese 20 Bilder (ich habe genau 20 genommen, um die Schritte genau nachmachen zu können) als Ebenen in Photoshop. Dann vergrößert man das Foto auf 200% des Ausgangswertes und nutzt als Interpolationsmethode „Nearest neighbor (hard edges)“, das ist in Photoshop CC die zweite von unten in der Liste der Auswahlmöglichkeiten. Als nächstes richtet man die Ebenen automatisch aneinander aus (auf deutsch müsste das „Bearbeiten -> Ebenen ausrichten“ heissen). Und nun kommt die Fleissarbeit. Ich habe es dreimal gemacht und das reicht auch. Man verändert die Deckkraft der Ebenen von unten beginnend in dieser Folge: Unterste = 100%, zweitunterste = 50%, 33%, 25%, 20%, 17%, 14%, 12%, 11%, 10%, 9%, 8%, 8%, 7%, 7%, 6%, 6%, 6%, 5%, 5%.

Zum Schluss verrechnet man alles auf eine Ebene und kann mit dem Smartfilter nachschärfen.

Und hier meine Ergebnisse:

Zuerst das gestapelte Gesamtbild, um einen Eindruck zu bekommen, was für Ausschnitte ich gleich noch zeige. Durch die Verwackelung entstehen Unschärfen an den Rändern, die man im letzten Schritt abschneiden müsste. Das lohnte sich bei diesem Testbild nicht unbedingt. Mir ging es ja nur um die Details.

Die Fotos habe ich übrigens mit meiner Nikon D600 mit 24 Megapixel aufgenommen mit einem 50 mm-Objektiv bei Blende 9, gemäß Empfehlung von Ian Norman.

superresolution_test_3

Nun wollte ich aber nicht nur wissen, was ich im Detail auf dem 96 Megapixel Bild sehen kann, sondern auch einen Vergleich zu einer normalen Aufnahme machen.

Also habe ich willkürlich das erste der 20 Bilder in Photoshop geöffnet und mit der Methode „Preserve Details (enlargement)“ vergrößert habe. Bei dieser Methode ist eine Rauschreduzierung bei Bedarf gleich mit eingebaut. Den Wert für Rauschreduzierung habe ich aber auf 0% belassen. Bei ISO 100 in bestem Licht wäre da auch nicht viel zu verbessern.

superresolution_test_1

Hier (oben) ein Vergleichsbild, bevor ich das 20-Ebenen-Bild in ein neues dupliziert und mit Smart-Sharpen nachgeschärft habe. Links das normal vergrößerte, rechts das mit den vielen Ebenen.

Im nächsten Bild (unten) wieder rechts das nachgeschärfte „super-resolution“ Bild und links das normale.

superresolution_test_2

Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber für mich sieht nun das „super-resolution“ Bild nur etwas überschärft aus und zeigt ein paar Artefakte. Mehr Auflösung oder Details kann ich nicht finden.

Hier noch ein anderer Ausschnitt mit dem Strassenschild. Achtung, hier ist das super-duper Bild auf der linken Seite. Und es wirkt auf mich einfach nur überschärft, ohne dass ich mehr Details im Schild oder Ästen erkennen könnte.

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Mein Fazit:

Ich konnte das „sensationelle“ Phänomen in drei verschiedenen Testbildern nicht nachvollziehen.

Vielleicht probieren es ja noch ein paar andere wirklich einmal aus. Bitte postet doch eure Ergebnisse und Erfahrungen in den Kommentaren.