Olympus OM-D E-M1 mit Batteriegriff

Olympus OM-D E-M1 mit Batteriegriff (Foto: Olympus)

Ich hatte sie schon vor einiger Zeit vorbestellt und nun kam sie gestern ziemlich plötzlich und unverhofft mit dem motorisierten Götterboten: die Olympus OM-D E-M1. Die aktuell beste spiegellose Systemkamera und mit diversen Superlativen angekündigt.

Mir sind die Superlative ziemlich egal. Ich arbeite ja schon seit einer Weile mit der kleinen Schwester, der Olympus OM-D E-M5, und bin so glücklich darüber, dass ich fast allen fotografischen Situationen nun mit dem halben Gepäck (im Vergleich zur Nikon Spiegelreflexausrüstung) begegnen kann.

Die neue M1 soll nun die etwas professionellere Variante der M5 sein und ist für „alte“ Olympus-Fotografen kompatibel mit dem früheren Four-Thirds-System. Das ist für mich jetzt nicht so relevant (ich war ja Nikon), aber ich freue mich für die, die nun den Wechsel auf das neue System etwas leichter haben, weil sie die alten Objektive mitnehmen können. Aus Erfahrung kann ich sagen: Die werden bei den meisten nicht mehr lange genutzt. Die neue Technik ist einfach so viel besser. Aber im ersten Moment tut der Wechsel weniger weh.

Seit gestern spiele ich also nun mit der neuen Oly und brauchte erst einmal eine Weile, um mich durch die unendlichen Möglichkeiten der Konfigurationen durchzuarbeiten. Ja, und ich habe es dabei sogar geschafft, die Kamera kurzfristig ausser Gefecht zu setzen, weil ich den Autofokus beim Auslöseknopf-Drücken wegkonfiguriert hatte und mich nun wunderte, warum die Kamera nicht scharf stellte. Ein Anruf bei meinem Oly-Guru Dirk Weber brachte mir Erleichterung und den richtigen Hinweis. Danach konnte es weiter gehen.

Wer sich mit der M5 schon beschäftigt hat, kommt mit der M1 sofort klar. Eigentlich gibt es fast keinen Unterschied. Das Gehäuse sieht ein bisschen anders aus und hat auf der Oberseite ein paar Knöpfe mehr. Der Griff ist wulstiger, auch ohne den optionalen Batteriegriff, und die Kamera sieht insgesamt wieder mehr wie eine Kamera aus. Anscheinend kommt man am Ende doch wieder auf die alt bewährten Designs, wenn es um Ergonomie geht. Dass man nun auch nicht mehr ins Menü muss, um die Alltags-Einstellungen vorzunehmen, hatte ich zwar gehofft, aber ganz so ist es leider doch nicht. Es gibt nach wie vor keinen Knopf für den Weißabgleich und den ISO-Wert (aber immerhin einen Zusatzschalter, den ich gleich beschreibe). Dafür kann man das Modus-Wahlrad nun über den kleinen Knopf in der Mitte arretieren, was praktisch ist, weil sich der bei der M5 immer verstellt, wenn man die Kamera in die Tasche packt oder herausholt oder sonstwie dagegen kommt.

Oben links neben dem An-/Ausschalter gibt es zwei neue Knöpfe, über die man schnell die Serienbildfunktion oder den Selbstauslöser aktivieren kann und mit dem zweiten den Autofokus-Modus (AF, CF usw.) und die Belichtungsmessmethode von Spot auf Mittenbetont oder Matrix umstellen. Ausserdem kann man noch die HDR-Funktion aktivieren. Ob ich die brauche, weiß ich noch nicht so recht. Das wäre doch die Chance für ISO und Weißabgleich gewesen. Und obwohl man eigentlich alles Mögliche und Unmögliche konfigurieren kann, habe ich dafür noch keine Einstellung gefunden.

Schalter für alternative Funktionen der Drehräder an der Olympus OM-D E-M1

Schalter für alternative Funktionen der Drehräder (Foto: Olympus)

Noch mal zurück zu den Unterschieden zur M5: Es gibt noch einen neuen Hebel, den man zwischen Position 1 und 2 hin- und herstellen kann. Damit kann man kurzfristig die Funktionsweise der Drehräder und der linken Tasten anders belegen, z.B. mit dem Weißabgleich und dem ISO-Wert. Dreht man dann also am vorderen Rad, verstellt man den Weißabgleich, dreht man am hinteren, ändert man den ISO-Wert. Das ist noch nicht so praktisch, wie ein eigener Knopf, aber besser als gar nichts. Natürlich kann man den Schalter nicht dauerhaft in dieser Position lassen, weil man die Drehräder in der Regel braucht, um die Belichtung einzustellen (und wer mit automatischer Belichtung fotografiert, stellt auch den Weißabgleich nicht manuell ein…).

Die E-M1 hat noch einige Zusatzgimmicks, die ich mehr oder weniger nützlich finde. Für das eingebaute Wifi kann ich mich noch nicht so recht erwärmen. Dafür hat die Kamera jetzt eine Funktion für Timelapse-Aufnahmen, die mir bei der kleineren E-M5, die ja eigentlich auch unendlich viele Funktionen hat, fehlte. Und einen Anschluss für ein externes Mikrofon gibt es nun auch. Bei der E-M5 musste man dafür einen relativ teuren Adapter kaufen.

Zusammen mit der neuen Olympus OM-D E-M1 gibt es ein lichtstarkes 12-40mm f2.8 Zoom-Objektiv, auf das ich tatsächlich lange gewartet hatte. Bei Hochzeiten mag ich einfach nicht ohne Zoom sein. Das mit der kleineren Olympus OM-D E-M5 mitgelieferte Kit-Objektiv hat zwar mit 12-50mm einen schönen Brennweitenbereich, reicht von der Lichtstärke her aber für Hochzeiten einfach nicht aus.

Das neue 12-40mm mit Blende 2.8 macht direkt einen sehr guten und wertigen Eindruck. Es ist aber im Vergleich zu meinen bisherigen Objektiven auch wirklich groß und schwer. Fast wie früher bei der Spiegelreflex. Was ich am Objektiv neben der Lichtstärke und der in ersten Versuchen guten optischen Qualität jetzt schon liebe, ist der manuelle Fokusring. Wenn man den nach hinten zur Kamera hin schiebt, kommt eine herkömmliche Fokusskala mit Entfernungsangaben zum Vorschein und man kann manuell mit Anschlag rechts und links wunderbar gefühlvoll fokussieren. Dank des großen und hellen Suchers klappt das auch wirklich gut. Und benutzen will ich das hauptsächlich für Video. Denn damit kann ich jetzt schöne Schärfeverlagerungen von Vordergrund auf Hintergrund filmen. Mit den kleineren Objektiven ging das nicht so gut, da die Fokusringe keinen Anschlag haben und dafür sehr leicht gehen. Alles gut für einen schnellen Autofokus, aber nicht fürs manuelle Fokussieren.

Das Objektiv passt natürlich genauso gut an die E-M5 und andere MFT-Kameras und ist definitiv eine Bereicherung für die Fototasche des ambitionierten Fotografen. Wie schön, dass das Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40 mm 1:2.8 bald auch einzeln zu haben ist 🙂

Einer der Hauptgründe für mich, mit den Olys zu fotografieren, ist der sensationelle Bildstabilisator, der es möglich macht, in sehr guter Qualität aus der Hand zu filmen und auch längere Belichtungszeiten ohne Stativ zu halten. In der neuen E-M1 gibt es nun auch noch ISO-Werte bis 25600. Natürlich hat man da Bildrauschen. Allerdings finde ich, die Oly hat ein schönes Bildrauschen, das ein bisschen wir analoges Filmkorn wirkt.

Hier einige Bilder, die ich auf einem Abendspaziergang mit der Olympus OM-D E-M1 aufgenommen habe. Das erste mit ISO 8000 (mit drei Nullen!), die folgenden mit ISO 800 und langen Belichtungszeiten bis zu 2 Sek. aus der Hand fotografiert.

Mein Fazit

Die Olympus OM-D E-M1 ist die richtige Wahl für professionellere Ansprüche. Die technischen Daten sind einen Tick besser als bei der kleineren Schwester und die Ergonomie wurde für den Alltagseinsatz auch entscheidend weiterentwickelt.

In meiner Freizeit werde ich aber voraussichtlich doch lieber weiter mit der kleineren Olympus OM-D E-M5 herumlaufen. Sie fühlt sich irgendwie sympathischer an, mehr nach Spass und weniger nach Arbeit. Und das Retro-Design, besonders in Silber, hat es mir nach wie vor angetan.