Dieses Wochenende hatte ich tatsächlich mal vor, ein paar Stillleben im Studio mit Blitzanlage zu fotografieren und dachte mir, der High-Res-Modus der Olympus OM-D E-M5 Mark II wäre dafür genau das Richtige. Ehe ich meine Nikon aus der Schublade hole, wäre das doch mit der Oly fix und mehr als genauso gut erledigt.

Aber Pustekuchen! Ich bin schier verzweifelt.

Der Teufel liegt im Detail. Aber wie!

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Mein Testmotiv für die High-Resolution-Aufnahme

Nach langem Suchen fand ich die rettenden Hinweise in den tiefen des Internet. Und möchte meine Erfahrungen hier gleich noch dazu packen.

Ehe du denkst, das wäre alles nur schrecklich – Nein, wenn man es schafft, ein 40-Megapixel High-Resolution-Bild im Studio zu schießen, sieht das absolut super aus. In Lightroom auf die Lupe klicken und schwupps, ist man sooo viel tiefer im Bild, als man das sonst gewohnt ist. Das ist schon wirklich klasse. Aber dahin kann der Weg eben ein recht steiniger sein, wenn man wie ich, alle Schwierigkeiten durch Experimente finden muss. Und natürlich habe ich absolut jeden Fehler einmal mitgenommen.

Hier also die Abkürzung für alle, die mir nachfolgen.

Was ist ein High-Res-Shot?

Das nochmal als Grundlage.

Warum kann die Olympus OM-D E-M5 Mark II mit einem 16 Megapixel-Sensor Aufnahmen mit 40 oder gar 64 Megapixel machen?

Antwort: Weil sie diese Aufnahme aus 8 Einzelbildern zusammensetzt, wobei der Sensor jeweils um ein halbes Pixel versetzt wird. Im Grunde entstehen dabei 64 Megapixel, wählt man JPG statt RAW, hat das Bild „nur“ 40 Megapixel. Eine Eigenwilligkeit der Olympus-Ingenieure.

Die Menüeinstellung an der Kamera

Eine grundsätzliche Einstellung für die Studiofotografie findet sich im Detailmenü D, nämlich die Funktion Live View Boost, die man auf On1 oder On2 stellen sollte. Sonst sieht das Bild im Display sehr dunkel aus, weil die Blitze ja erst beim Fotografieren dazu kommen.

Dann aktiviert man den High-Res-Shot im Shooting-Menü 2, wo man zunächst eine Zeit für die Auslöseverzögerung auswählen muss. Auch Null ist möglich, nur bei „Off“ wird keine High-Res-Aufnahme gemacht. Hat man hier einen Wert ausgewählt (ich habe es mal mit 1/2 Sek. probiert, um Erschütterungen zu vermeiden), geht es weiter mit dem nächsten Punkt, nämlich der Charge Time (Blitzladezeit). Bei 8 Bildern für das High-Res-Foto muss ja auch die Blitzanlage 8 mal mitblitzen. Da sie je nach Leistung und Geschwindigkeit dafür etwas Zeit braucht, kann man hier einen Wert für die Verzögerung zwischen den Aufnahmen einstellen.

Belichtungseinstellungen

Die ersten Einstellungen fand ich noch relativ schnell. Danach sahen die ersten Aufnahmen etwa eine Stunde lang so aus:

Probleme mit der Blitzsynchronisation an der Olympus O-MD E-M5 Mark II

Probleme mit der Blitzsynchronisation an der Olympus O-MD E-M5 Mark II

…und ich war ziemlich frustriert. Ich dachte, es liegt vielleicht am Infrarotauslöser den ich auf der Kamera verwendete und nahm stattdessen ein gutes altes Synchronkabel, das man ja an der Vorderseite der Kamera anschließen kann. Das Ergebnis blieb so.

Mir war ziemlich klar, dass es ein Problem mit der Blitzsynchronisation gab und alle Menüeinstellungen wollten das nicht ändern.

Die Auflösung: Die Kamera verwendet für die 8 Aufnahmen den elektronischen Verschluss und dessen Blitzsynchronzeit ist begrenzt auf 1/20 Sekunde!

Das heißt, man fotografiert mit 1/20 Sekunde Belichtungszeit und muss sehr aufpassen, dass man kein störendes Umgebungslicht im Bild wiederfindet. Ideal ist ein abgedunkeltes Studio.

Wer denkt, man könne das ja auch durch Abblenden ganz gut kompensieren, stößt leider an die nächste Hürde: Die kleinste Blende bei High-Res-Shots ist f8. Egal, was man vorher eingestellt hatte, z.B. Blende 14 für den Lichttest in normaler Auflösung. Sobald man den High-Res-Shot aktiviert, findet man die Blende 8 eingestellt. Weiter auf geht, aber kleiner als 8 geht nicht.

Wer es dunkler braucht, muss also einen Graufilter aufs Objektiv schrauben. Bei mir ging es auch so. Ich habe die Blitzleistung ordentlich reduziert, bis sie für Blende 8 eben passte.

Noch ein wichtiges Detail: Das Dateiformat. Entgegen normaler Aufnahmen gibt es bei der High-Res-Aufnahme nur die Möglichkeiten, JPG Fine oder RAW + JPG auszuwählen. Beim Umstellen von normaler Auflösung bleibt als Standard zunächst nur JPG übrig. Wenn man RAW möchte, muss man daran denken, das noch einmal so einzustellen, auch wenn man vorher schon in RAW fotografiert hat.

Manueller Weißabgleich

Der manuelle Weißabgleich ist keine Spezialität von High-Resolution Aufnahmen, aber dennoch von Bedeutung, wenn man die Studioaufnahmen direkt als JPG aus der Kamera verwenden möchte. Daher hier nur als Merker erwähnt: Man kann für den Weißabgleich im Studio sehr gut einen von vier individuellen Speicherplätzen für den Weißabgleich verwenden.

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Testmotiv unten zum Download in voller Auflösung

Und das Ergebnis der Bemühungen sieht dann richtig gut aus. Ich stelle meine Testaufnahme einmal zum Download in voller Auflösung als JPG zur Verfügung.

Als Objektiv kam das Olympus 12-40 mm f2.8 PRO Zoomobjektiv zum Einsatz. Mit Festbrennweiten lassen sich möglicherweise sogar noch mehr Details herausholen. Ich war so schon ziemlich satt.

Will man so wirklich Produkte im Studio fotografieren, trifft man auf die Schwierigkeit, dass Blende 8 nicht unbedingt die beste Schärfentiefe erzielt. Ich würde mir da eher Blende 11 wünschen. Man muss sich dann damit behelfen, mit kürzeren Brennweiten zu arbeiten. Aber das ist natürlich nicht immer der ideale Kompromiss.

Alles in allem ist die High-Resolution-Aufnahme trotzdem eine faszinierende technische Möglichkeit, mit der ich noch weiter experimentieren möchte.