Am Wochenende habe ich mir die Updates der Adobe Creative Cloud installiert und bin von diesem Release (CC 2015) restlos begeistert. In diesem Artikel gebe ich einen kleinen Einblick in die neue Farbkorrektur mit Adobe Premiere Pro CC 2015.

Die Farbkorrektur von Video mit Adobe Premiere Pro ist jetzt so einfach wie noch nie

Durch die Integration von Lumetri Color in die normale Oberfläche von Premiere ist die Bearbeitung von Belichtung und Farben nun wirklich eine pure Freude.

Es beginnt mit der einfachen Auswahl einer Arbeitsoberfläche über Schaltflächen am oberen Rand des Bildschirms. Bisher musste man zum Umschalten über das Menü gehen und da die gewünschte Oberfläche auswählen. Jetzt hat man diese direkt im Zugriff. Ein ungeheure Abkürzung, die sich in der täglichen Arbeit wirklich bemerkbar macht. Ich schalte ständig zwischen den Oberflächen hin und her.

Arbeitsbereiche kann man in Premiere Pro jetzt direkt über Schaltflächen am oberen Bildschirmrand auswählen

Arbeitsbereiche kann man in Premiere Pro jetzt direkt über Schaltflächen am oberen Bildschirmrand auswählen

Wählt man die Oberfläche zur Farbbearbeitung aus, erscheinen im linken Fenster diverse Anzeigen, die die Beurteilung der Farb- und Helligkeitsverteilung im Video erleichtern, auch wenn die Augen schon etwas müder sind oder man an einem weniger guten Monitor arbeitet.

Anmerkung: Meine Screenshots zeigen die englische/US-amerikanische Programmversion, mit der ich arbeite. Für mich hat das den Vorteil, dass ich englischen Tutorials von Adobe leichter folgen kann und diese oft aktueller sind als die deutschen Übersetzungen.

Anmerkung 2: Alle Bilder kann man zum Vergrößern anklicken!

Der Arbeitsbereich "Farbe" fasst alle wichtigen Hilfsmittel und Anzeigen zusammen

Der Arbeitsbereich „Farbe“ fasst alle wichtigen Hilfsmittel und Anzeigen zusammen

Die neuen Basis-Korrekturen in Premiere Pro

Basiseinstellungen in Premiere Pro mit Lumetri Color

Basiseinstellungen in Premiere Pro mit Lumetri Color

Am rechten Rand erscheint die Bearbeitungsleiste von Lumetri Color mit den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten. Gerade die Basis-Korrekturen dürften Fotografen, die mit Lightroom arbeiten, sehr vertraut sein.

Über einfache Schieberegler kann man die Farbtemperatur und die grundlegenden Belichtungseinstellungen des markierten Clips verändern. (Hinweis: Wenn die Einstellungen ausgegraut sind, hat man wahrscheinlich vergessen, einen Clip in der Timeline anzuklicken.)

Tiefen und Lichter lassen sich hier bequem separat regeln und machen die Belichtungskorrektur wirklich kinderleicht.

Farbsättigung per Kurve einstellen

Farbkontrast in Premiere Pro CC über Kurven einstellen

Farbkontrast über Kurven einstellen

In meinem Workflow folgt als nächstes der Bereich Curves (dt. Kurven), in dem man die Farbkontraste und Sättigung anhand von RGB-Kurven (die kennt man auch aus Lightroom und Photoshop zur Genüge) und einer neuen Farbton-Sättigungs-Kurve einstellen kann. Letztere macht richtig Spaß. Man muss ein bisschen damit herum spielen. Aber dann erschließt sie sich schnell.

Man klickt auf einen Punkt auf der zunächst runden Kreisbahn und kann diesen dann von seinem Ausgangspunkt auf einen anderen Farbton verschieben. Das kann man nach und nach dann mit mehreren Farbtönen auf der Kreisbahn machen, bis eine bunte Schlangenlinie entsteht, die den gewünschten Farblook erzeugt.

Hier mal mein Videobild im Vorher-Nachher-Vergleich – ich hatte etwas zu hell gefilmt:

Man kann übrigens leicht zwischen vorher und nachher wechseln, indem man den Haken hinter Basis Korrektur an und aus klickt. Das gilt auch für die anderen Einstellungsmodule.

Die Farbräder sind auch noch da, nur besser

Wer lieber mit den traditionellen Farbrädern arbeitet, kann das eine Etage tiefer auch noch tun. Sie sind jetzt übersichtlicher und besser am Bildschirm zu händeln. An meinem Beispielclip habe ich sie nicht genutzt und zeige deshalb hier die Grundstellung.

Die neuen Farbwahlräder in Premiere Pro CC für Tiefen, Mitten und Lichter

Die neuen Farbwahlräder für Tiefen, Mitten und Lichter

Vignette per Schieberegler

Auch eine Vignette lässt sich jetzt ganz einfach per Schieberegler einstellen. Neben der Helligkeitsänderung kann man auch die Form, den Mittelpunkt und den Verlauf der Vignette verändern. Das probiert man am besten einfach aus. Man kann hier nichts verkehrt machen. Und durch Doppelklick auf einen Regler kehrt dieser (wie in Lightroom) auf seinen Ausgangswert zurück.

Die Regler für die Vignettierung sind ebenfalls schon aus Lightroom bekannt und einfach zu bedienen

Die Regler für die Vignettierung sind ebenfalls schon aus Lightroom bekannt und einfach zu bedienen

Zum Schluss kann man richtig kreativ werden

Unter dem Abschnitt „Kreativ“ hat Adobe zusätzliche Möglichkeiten zusammengefasst, einen sog. Filmlook zu erzeugen. Dafür kann man je nach Geschmack einen vordefinierten Look auswählen und diesen nach eigenen Vorstellungen über die Regler weiter verändern. Bald populär dürfte der Regler „Faded Film“ (dt. ausgeblichen) sein, der den Film etwas älter aussehen lässt und den derzeit beliebten Vintage-Look sehr einfach macht. Hier hat Adobe sicher ein bisschen bei Apple abgeschaut. Bisher konnte man als Windows-User ein bisschen neidisch auf die Nutzer von Final Cut Pro auf Apple Macs sein, die es sehr einfach hatten, schnell zu attraktiven Ergebnissen über gelungene Presets zu kommen. Da hat Adobe nun deutlich nachgebessert.

Cool ist auch, dass man im kleinen Vorschau-Fenster mit dem Pfeil durch die verschiedenen Looks klicken kann, ohne diese schon auf den Clip anzuwenden.

Die kreativen Farblooks in Premiere Pro CC sind nun ebenfalls leicht zu erreichen

Die kreativen Farblooks in Premiere Pro CC sind nun ebenfalls leicht zu erreichen

Fazit

Ich bin mit dem Update wirklich komplett glücklich.

So viele wichtige Verbesserungen, die ich auch in der täglichen Arbeit bemerke, habe ich noch nie auf einmal geschenkt bekommen.

Das Programm Speed Grade als Adobe Profi-Tool zur Farbkorrektur gibt es immer noch. Ich würde aber davon ausgehen, dass die große Mehrheit der Filmeditoren nun in Premiere Pro CC alles findet, was es zur Farbkorrektur braucht.

Hier der korrigierte Clip aus meinem Beispiel: