Das perfekte Reisestativ für die Insel Rügen (und die nächste Weltreise)

Obwohl ich vor Ort auf Rügen wohne, brauchte ich nun dennoch ein Reisestativ. Paradox, aber nur auf den ersten Blick.

Während ich für Hochzeiten und People-Fotografie vollkommen ohne Stativ auskomme und nur bei Werbefotos mit einem stabilen Stativ (Manfrotto 055B) arbeite, hatte ich bisher noch kein Stativ, das so klein und leicht wäre, als dass es sich als Reisestativ für den Rucksack oder die Fahrradtasche anbieten würde.

Aber mit einem Stativ ist es genau wie mit der Kamera: Wenn man eins hat, das aber so schwer ist, dass man keine Lust hat, es mitzunehmen, nützt es wenig.
Also beschloss ich, die Investition in ein leichtes und kompaktes Reisestativ zu wagen und machte mich auf die Suche nach einem passenden Exemplar.

sirui reisestativ im Größenvergleich mit dem manfrotto

Hier der Größenvergleich zwischen meinem „Arbeitspferd“ von Manfrotto und meinem neuen Reisestativ oben

Die Suche nach dem passenden Reisestativ

Mein Weg der Suche: Nachschauen in den Blogs von Reisefotografen und Lesen der Amazon-Rezensionen, um zu herauszufinden, welches Reisestativ das für mich beste sein würde.

Da ich in Wahrheit schon seit einigen Jahren mit der Idee geliebäugelt habe, mir ein Reisestativ zuzulegen, wusste ich schon, worauf es mir besonders ankommen würde: Größe (geringe) und Gewicht (leicht, bitte). Und da wollte ich möglichst wenig Kompromisse machen, weil ich mich kenne und weiss, dass ich schnell die Lust verliere, wenn ich mich beim Fotografieren über mein Equipment ärgere.

sirui reisestativ mit breiten beinen

Beim Aufstellen braucht man ausreichend Fläche

sirui T-025 reisestativ mit engen beinen

Mit dieser Beinposition ist das Stativ zwar höher aber viel zu wackelig und leicht umzukippen

Geringe Größe bei einem Reisestativ heisst, dass man damit nicht aufrecht stehen fotografieren kann, weil solche Stative nur bis etwa 1,40 m hoch sind. Für Peoplefotos wäre das also nichts, weil man immer leicht von unten fotografieren würde. Für Landschaft und Natur ist das aber genau richtig. Da will man eher niedriger als höher fotografieren.

Geringes Gewicht bedeutet in meinem Fall, dass ich nicht erwarte, dass das Stativ bzw. der Stativkopf für das Gewicht einer Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv ausgelegt sein soll. Eine spiegellose Systemkamera ist meine Reisekamera der Wahl. Wenn ich mit Spiegelreflexausrüstung fotografieren wollte, würde ich eher mit dem Auto zum Aussichtspunkt fahren und mein schweres Stativ mitnehmen. Ich bin da eher bequem und nicht so „survival-orientiert“.

Interessante Infos und eine erste konkrete Spur habe ich im Blog von Gunther Wegner gefunden. Er empfiehlt als Allround-Stativ, das sich auch für Reisen gut eignet das Sirui ET-1204. Allerdings fotografiert Gunther auch noch mit Spiegelreflexkameras, so dass ich mir dachte, das müsse auch noch etwas leichter gehen (und vielleicht auch preiswerter).

Gunther mag Klickverschlüsse an den Stativ-Beinen lieber, als die Drehverschlüsse, die man an vielen anderen Reisestativen findet, weil die schneller und präziser zu bedienen sind. Das sehe ich prinzipiell auch so, habe mich aber beim Reisestativ doch für Drehschlüsse entschieden. Warum? Weil Klickverschlüsse ziemlich laut sind und ich mir vorstellen kann, dass ich irgendwann auch einmal unauffälliger möglichst leise mein Stativ aufstellen möchte, gerade wenn ich mich in der Natur und in der Nähe von Tieren bewege. Naja, das sind wahrscheinlich Nuancen. Und wenn mein Traumstativ Klickverschlüsse gehabt hätte, hätte ich das wahrscheinlich in Kauf genommen. Musste ich so aber nicht.

Apropos Traumstativ. Dazu fand ich einen Artikel zweier echter Weltreisender (umdieweltreise.ch), die sich das vermutlich allerbeste Stativ, das man für Geld kaufen kann, ausgesucht haben. Und das ist eines von Gitzo, dem Rolls-Royce unter den Stativherstellern. Die Beschreibung des Gitzo Traveler Stativs überzeugte mich in allen Punkten. Es ist einfach in allen Disziplinen herausragend. Nur beim Preis war für mich doch meine derzeitige Schmerzgrenze überschritten. Wer nicht aufs Geld schauen muss, kann sich das einfach kaufen, ohne näher hinzusehen.

Dann fand ich noch einen Weltreisenden, Thomas Gutmann, der in seinem Blog auch ein Stativ von Sirui empfiehlt, aber eines, das als Reisestativ speziell auf die Bedürfnisse von (Welt-) Reisenden abgestimmt ist. Es ist sehr kompakt, hat Drehverschlüsse und einen Karabinerhaken unter der Mittelsäule, mit der man das Stativ zusätzlich mit Gewicht beschweren kann, damit es auch bei Wind stabil steht. Ein wichtiger Punkt, hier an der See.

Das Reisestativ meiner Wahl

Das Sirui T-025X Traveler Stativ wurde dann das Stativ meiner Wahl. Es erfüllt, zumindest der Beschreibung nach, alle meine Wunschkriterien und ist (das kommt bei mir nicht so häufig vor) auch noch das günstigste Reisestativ unter den Vergleichskandidaten.

sirui reisestativ packungsinhalt

Packungsinhalt des Sirui T-025X Reisestativs

Ich entschied mich für die Carbon-Variante, weil sie schicker aussieht, ein paar Gramm leichter ist (300 um genau zu sein) und man sagt, das Material sei steifer als Aluminium und dadurch schwingt es weniger.

Der erste Eindruck nach dem Auspacken ist sehr gut. Das Stativ ist wirklich sehr leicht und wird beim Auspacken gefühlt immer kleiner, während man es erst aus dem Karton, dann aus der mitgelieferten Tasche, dann aus der Plastikfolie… zieht.

Die Größe des Stativkopfes ist …grenzwertig. Kleiner sollte es wirklich nicht sein. Aber ich wollte ja minimales Gewicht. Die Stativplatte ist etwa halb so gross, wie die üblichen Manfrotto-Platten und (logisch) nicht kompatibel. Aber der Kopf funktioniert überraschend gut, lässt sich angenehm verstellen und hält die Kamera stabil.

sirui reisestativ plattenvergleich

Links die Platte vom Sirui, rechts vom Manfrotto Stativ

Das einzige echte Ärgernis ist, dass man zum Festschrauben der Stativplatte an der Kamera den Imbusschlüssel braucht, der dem Stativ bei liegt (oder einen Schraubenzieher). Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man den verliert. Und am Stativ ist auch keine Befestigung dafür vorgesehen. Für knapp 13 EUR bekommt man von Sirui eine Schraube mit Bügel, so dass man sie mit der Hand festziehen kann. Die sollte eigentlich zum Standard-Lieferumfang gehören, finde ich.

sirui reisestativ stativplatte unter der kamera

sirui reisestativ mit kamera

Die Kamera lässt sich auf dem Stativkopf gut befestigen und justieren. Über eine zweite Schraube kann man den Kopf für Panoramaaufnahmen drehen. Allerdings fehlt eine Libelle, um die Kamera in Waage zu bringen.

Insgesamt bin ich mit dem Stativ auf den ersten Blick sehr zufrieden. Der Kompromiss aus kompakten Maßen und Stabilität scheint gelungen.

Das Sirui T-025X Traveler Stativ (hier bei Amazon) kostet derzeit rund 240,- EUR in der Carbon-Ausführung. Die Aluminium-Variante mit 300g mehr Gewicht ist schon für 130,- EUR zu haben.

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By | 2016-10-05T22:50:38+00:00 6. Oktober 2016|Ausrüstungstipps|2 Comments

About the Author:

Die Mischung von Fotografie und Film, also Foto-Video-Fusion, hat sich zu einem meiner Schwerpunkte entwickelt. Als Hochzeitsfotograf und Filmer bin ich in Hamburg und häufig auf Rügen und Hiddensee unterwegs, wo ich einige Zeit gewohnt habe. Neben den Menschen liebe ich auch die Natur und Tiere, so dass ich mich besonders freue, wenn ich mit meinen Paaren Zeit in der Natur verbringen kann. In meiner Freizeit schreibe ich gerne, sowohl im Blog als auch in Büchern. Meine Fachbücher sind im Buchhandel und online erhältlich.

2 Comments

  1. Roger 6. Oktober 2016 at 10:16 - Reply

    Danke für den Bericht. Was mich an dieser Stativserie stört ist die starre Mittelsäule. Ich habe das T-1204, also die von Gunther empfohlene Variante aber mit Drehverschluss. Das ist mein Hauptstativ (Ich fotografiere mit Olympus). Als Reisestativ hab ich dann noch ein kleines Slik. (Wobei ich aber doch meist das Sirui nehme)
    Bzgl. der Kameraplatte: Leider ist auch die Schraube aus sehr weichem Material, so dass ich die Platte nicht so festschrauben kann, wie ich möchte, weil die Inbus-Führung schon sehr ausgefranst ist. Also habe ich mir die kleine Peak Design-Platte geholt. Hat etwa die gleiche Größe, ist aber besser verarbeitet mit besserem Anti-Grip und der Inbus hat einen Schlüsselring, so dass man ihn am Schlüsselbund oder mit einem Seilzug an der Fototasche befestigen kann. Nur so als Tipp. Jetzt bekomme ich auch wieder Hochformat-Aufnahmen hin.
    http://bit.ly/2dMyy40

    • Hendrik 6. Oktober 2016 at 17:34 - Reply

      Danke dir für den Tipp. Ich werde den Hinweis auf die Schraube im Auge behalten.

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