portraitplus_face_before_afterViele Fotografen haben nach Fotoshootings jede Menge Bilder, die retuschiert werden müssen. Und das ist bisher trotz guter Bildbearbeitungsprogramme doch noch hauptsächlich mit Handarbeit verbunden. So dauert die Bearbeitung eines ganz normalen Porträtfotos durchaus mal 15 bis 30 Minuten und bei Modeaufnahmen, bei denen alles perfekt sein muss (und das Model mitunter teilweise nicht mehr wieder zu erkennen ist), kann die Bearbeitung auch 2 oder mehr Stunden in Anspruch nehmen.

Automatische Retusche per Software?

Die Firma ArcSoft hat mir vorgeschlagen, einmal ihr Programm Portrait+ (PortraitPlus) auszuprobieren und zu schreiben, was ich davon halte. Das Besondere an Portrait+ ist eine automatische Gesichtserkennung, die es ermöglichen soll, passende Filter für die Bildretusche von Augen, Haut und Mund vollautomatisch anzuwenden, ohne dass man diese Stellen per Hand markieren muss, wie sonst bei der Porträtretusche üblich.

Außerdem werden diverse vordefinierte Filter mitgeliefert, die man einfach per Mausklick auf ein Porträtfoto anwenden kann. Oder eben auch auf mehrere. Das wäre, wenn das alles so funktioniert, eine große Arbeitserleichterung.

Ein Feature, das besonders hervorgehoben wird, ist die Stapelverarbeitung. Man kann also gleich mehrere Bilder laden und mit einer gemeinsamen Voreinstellung optimieren.

Also probiere ich das mal aus.

Und für alle, die sich ebenfalls ein eigenes Bild machen wollen, finden sich am Ende des Artikels die Links zum Download der 30-Tage-Testversion und als besonderes Highlight, ein Gutschein-Code für 45% Preisnachlass auf das Programm.

Portrait+ gibt es in zwei Versionen:

  1. Der Bildschirm ist übersichtlich und aufgeräumt.

    Der Bildschirm ist übersichtlich und aufgeräumt.

    eine Standalone-Version, also ein eigenständiges Programm

  2. ein Plug-in für Adobe Photoshop

Da ich sonst auch mit Photoshop arbeite, habe ich mich für die Plug-in Version entschieden. Ich wollte das Programm gerne in meinen normalen Workflow einbinden, und da ist Photoshop eben schon enthalten.

Installation (und Suche des verlorenen Plug-ins)

Fehlermeldung während der Installation - Ignorieren half

Fehlermeldung während der Installation – Ignorieren half

Die Installation des Plug-ins begann auf meinem Laptopo mit einer Fehlermeldung (s. Screenshot). Ich ignorierte diese und die Installation lief durch.

Dann begann die Suche. Ich öffnete Photoshop und fand kein neues Plug-in. Ich suchte weiter und begann an meinem Verstand zu zweifeln. Die Nachfrage im Support ergab: Es läuft noch nicht mit der neuesten Version von Photoshop CC. Zum Glück ist es möglich, über die Adobe Cloud auch die vorherige Programmversion zu installieren. Anscheinend hatte nicht nur diese Plug-in das Problem.

Also habe ich die vorige Version installiert und siehe da! Ein neues Plug-in hat es auch!

Erste Schritte mit den aufgelieferten Voreinstellungen

Wenn man das Plug-in aufruft, öffnet sich ein Vollbildschirm, der mit der Stand-alone Version weitgehend identisch sein dürfte. Man bewegt sich hier in einem eigenen Programm.

Auf der rechten Seite finden sich Voreinstellungen, die man anklicken kann und ausprobieren, was diese mit dem Bild machen. Klickt man die Voreinstellung noch einmal an, wird der Effekt wieder zurück genommen. Damit kann man also erst einmal ein paar kleinere Versuche unternehmen.

Eigene Einstellungen

portraitplus_Eigene_EinstellungenBald wird man aber merken, dass man vielleicht bestimmte Effekte kombinieren möchte, die es so in der Voreinstellungen nicht gibt. Dafür wechselt man in den Bearbeiten-Modus.

Nun gibt es auf der rechten Seite eine lange Liste mit Bearbeitungsmöglichkeiten von Hautweichzeichnung bis zu künstlichem Make-up.

Die meisten Einstellungen haben wiederum Voreinstellungen mit Werten von niedrig, mittel und hoch, die man aber ebenfalls wieder manuell fein einstellen kann.

Insgesamt gibt es damit unzählige Kombinationen von Einstellungen.

Hat man eine Kombination gefunden, von der man denkt, dass man sie auch auf andere Bilder anwenden möchte, kann diese unter einem eigenen Namen abspeichern. Sie erscheint dann zukünftig bei der Voreinstellungen auf der Einstiegsseite des Programms.

Mit der deutschen Programmübersetzung lässt sich gut arbeiten. An einigen Stellen gibt es Verbesserungspotenzial, z.B. würde man das Wort Schamröte unter Make-up eher mit Rouge übersetzen. Aber im englischen Wörterbuch steht bei „blush“ eben Schamröte.

Um zu verhindern, dass Gesichter sofort so glatt gebügelt aussehen, wie das Cover einer Fernsehzeitschrift, sollte man die Regler sehr behutsam in den unteren Wertebereichen verwenden. Alles über „niedrig“ war mir viel zu extrem. Aber in den Ländern, in denen das Programm entwickelt wird, gibt es da offensichtlich andere Ideale.

Grenzen der Gesichtserkennung

PortraitPlus_Facedetection

Die automatische Gesichtserkennung ist nicht so ganz präzise. Die Punkte können manuell korrigiert werden.

Spätestens beim Spielen mit den Make-up-Funktionen wird man bemerken, dass die Gesichtserkennung nicht 100 Prozent genau arbeitet. Der Lippenstift liegt dann gerne mal daneben und macht aus einer Diva eine Trash-Queen.

Um das zu korrigieren gibt es die Möglichkeit, die Eckpunkte der Gesichtserkennung manuell zu platzieren. Damit lassen sich dann sehr gute Ergebnisse erzielen, aber von Automatik kann dann natürlich keine Rede mehr sein.

Cool wiederum ist, dass das Programm auch mehrere Gesichter in einem Bild finden kann. So kann man also Braut und Bräutigam gemeinsam verschönern. Oder man klammert den Bräutigam von der Bearbeitung aus. Auch das ist möglich.

Fazit

Die Arbeit mit PortraitPlus macht Spaß. Bis man alle Funktionen im Detail entdeckt hat, dauert es eine ganze Weile. Zumal es vom Hersteller bisher keine nennenswert gute Dokumentation zum Programm gibt. Mit ein bisschen Ausprobieren findet man sich aber doch recht schnell zurecht.

Es gibt viele Funktionen zu entdecken. Und wenn man sich überlegt, nur einen Teil der Bearbeitung mit Portrait+ zu machen und dann in Photoshop mit den gewohnten Werkzeugen weiter zu arbeiten, geht gleich nochmal einiges mehr.

Aber gerade für Anwender, die keine Profis in Photoshop sind oder nur mit der Standalone-Version des Programmes arbeiten möchten, sind schnelle Erfolgserlebnisse möglich. Selbst wenn man die Punkte der Gesichtserkennung manuell setzt, ist das für Anfänger immer noch leichter, als Masken in Photoshop zu erstellen.

An eine echte Profi-Retusche in Photoshop mit präzisen Masken, Handarbeit und der richtigen Technik kommt Portrait+ nicht heran. Dazwischen liegt aber auch ein gewaltiger Preisunterschied, nicht nur im Preis der Software, sondern vor allem in den Kosten des Bearbeiters. Mit Portrait+ kann auch die Auszubildende im Porträtstudio nach zwei Stunden umgehen. High-End-Beautyretusche in Photoshop ist eine andere Liga.

Insofern: Einfach mal probieren.

Hier der Link zur Herstellerseite, wo man beide Versionen kostenlos zum Testen downloaden kann. http://www.arcsoft.com/portraitplus/de/

Und wer dann kaufen will, nutzt bis 30.08. den Promotion-Code „portrait45“, um 45% Rabatt zu bekommen. (Die Plug-in Version kostet dann nur noch 33,50 €.)

Zum Abschluss noch ein Porträt, das ich mit Portrait+ bearbeitet habe, in der vorher-/nachher-Version. Ich habe versucht, die Änderungen subtil zu halten und dennoch ein paar Features des Programms zur Geltung zu bringen. Die junge Dame im Bild ist natürlich auch ohne Retusche schon hübsch, aber ich dachte mir, das würde die Leser mehr freuen, als wenn ich ein Selbstporträt verwende… 🙂