Analogfotografie mit der Nikon FM2 – Mein Comeback auf Film?

Mit dem Kauf einer analogen Nikon FM2 habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt und nun meinen ersten Film damit belichtet.

Als ich in den späten 80’iger Jahren mit Fotografieren angefangen habe, war das natürlich noch auf Film. Und um alles selbst machen zu können, habe ich damals fast ausschließlich in Schwarz-Weiß fotografiert und dann in meinem abgedunkelten Badezimmer ohne Fenster in nächtelanger Arbeit selbst entwickelt und vergrößert.

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im GartenDas waren schöne Zeiten. Aber ich will auch nicht idealisieren. Selbst entwickeln und vergrößern hat seinen Charme. Aber die Zeit muss man sich erst einmal nehmen können und wollen. Und im Vergleich zur Digitalfotografie war meine Lernkurve damals unglaublich flach. Es dauerte einfach ewig, bis meine Bilder besser wurden und ich musste sehr akribisch arbeiten und dokumentieren, um mich zu verbessern. Filme und Fotopapier waren teuer und so ging es nur in Etappen voran. Diesen Teil vermisse ich nicht so sehr. Denn heute nimmt die Technik eines Fotos meist weniger Zeit in Anspruch (Bildbearbeitung im Einzelfall einmal ausgenommen) und ich kann mich mehr mit den Inhalten meiner Bilder beschäftigen.

Gerade durch meine Hochzeitsreportagen bin ich gewohnt, unglaublich viele Bilder in sehr kurzer Zeit zu schießen und dabei so gut wie gar nicht über Bildgestaltung nachzudenken, sondern fotografiere überwiegend intuitiv.

Analog fotografieren heisst Verlangsamung

Als Gegenpol entstand aber auch eine Sehnsucht danach, wieder einmal ganz langsam zu fotografieren. Und ich erfüllte mir einen Jugendtraum. Im Frühjahr brachte „der Zufall“ auf Facebook eine Verkaufsanzeige vor meine Nase. Jemand in Berlin verkaufte eine Nikon FM2 mit einem 105mm Porträtobjektiv. Ich überlegte nur kurz und entschied mich dann zum Spontankauf ohne Risiko. Denn ich hatte sowieso ein paar Tage später einen Termin in Berlin und konnte mir Verkäufer und Kamera dort ansehen. Beide machten einen sehr sympathischen Eindruck, selbst in dem verwegenen Hinterhof, in dem wir uns trafen. Und dann war sie mein, die FM2.

Die Nikon FM2 ist die Kamera der Abenteurer. Mit ihr wurde quasi die Welt vermessen.

Nikon_FM2Diese Kamera umweht für mich immer noch ein Hauch von Abenteuer. Denn sie hat keine Automatik und funktioniert komplett ohne Batterie. Lediglich der eingebaute Belichtungsmesser braucht eine kleine Knopfzelle. Und wenn die einmal ausfällt, kann man immer noch fotografieren. Ich selbst bin ja nicht so ein Abenteurer. Aber mit der Kamera wurde schon der Nordpol erkundet und der Mount Everest bestiegen. Einfach weil sie so unverwüstlich ist. Dementsprechend hat mein Exemplar dann auch schon ein paar Kratzer, auch wenn die möglicherweise nicht direkt vom Nordpol stammen.

Nun fotografiere ich damit Blumen im Garten. Und ich liebe es.

Alle, die noch mehr über die technischen Details dieses Schmuckstückes erfahren wollen, finden hier einen schönen Artikel bei NikonClassics.

Filmentwicklung im Fachlabor

Wer auch schon einmal analog fotografiert hat, kennt vermutlich das Phänomen, dass die Kamera ewig mit einem fast vollen Film herumliegt, man ihn aber nicht vorzeitig zum Entwickeln geben will, um kein Bild zu verschwenden. So war es dann auch mit dem allerersten Film, den ich in dieser Kamera belichtet habe. Ich hatte mir zusätzlich vorgenommen, den Film in ein professionelles Entwicklungslabor (www.MeinFilmLab.de) zu geben und die Fotos direkt in sehr guter Qualität scannen zu lassen. Denn an irgendeinem Punkt wollte ich ja schon wieder auf der digitalen Ebene landen. Darüber schreibe ich sicher später noch einmal mehr. Letzte Woche war es dann endlich so weit, und ich konnte den Film feierlich aus der Kamera nehmen und in einen Umschlag für das Labor stecken. Aus der Kamera nehmen hieß hier auch, herausfinden, wie man den Film mit der kleinen versteckten Kurbel zurückspult und dabei nicht aus versehen den Knopf zum Öffnen der Kamera drückt. Einen automatischen Filmtransport hat die FM2 ja auch nicht. Aber alles ging gut.

Ungewohnt: Digital aber ohne Bearbeitung

Filmkorn beim Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

100%-Ausschnitt, in dem man deutlich das Filmkorn erkennen kann

Ich entschied mich, die Bilder nur im .JPG-Format scannen zu lassen und nicht als .TIF-Datei, obwohl das Tiff-Format mehr Spielraum für die Nachbearbeitung liefern würde. Aber ich wollte es ja analog. Das hieße auch ohne digitale Nachbearbeitung. Inzwischen habe ich die Bilder per Download bekommen, habe einen Lightroom-Katalog angelegt und kann sie mir auf dem Bildschirm ansehen.

Das ist so ungewohnt! Ich hatte ganz vergessen, wie stark das Filmkorn in analogen Filmen sichtbar ist. Ich hatte keinen Vergleich im Kopf, wenn jemand sagte, dass Digitalkameras eine höhere Bildauflösung haben. All das ist nun so deutlich zu sehen.

Die Versuchung, mit ein paar Klicks Veränderungen am Bild vorzunehmen, ist groß. Aber ich will nicht. Das hier ist keine Auftragsarbeit. Die Bilder müssen nicht perfekt sein. Sie müssen noch nicht einmal richtig scharf sein. Auch wenn es schön ist, wenn die Schärfe auf dem richtigen Punkt liegt. Einen Kater mit einem manuellen Fokus im richtigen Moment scharf zu stellen, ist nicht so einfach. Auf das Gefühl des Moments kommt es an. Zumindest sage ich mir das so. Und empfinde es auch, wenn ich die Bilder jetzt sehe.

Eine kleine Belichtungskorrektur habe ich mir doch erlaubt. Die Sonne kam und ging an dem Tag so schnell, dass ich mit der manuellen Belichtungseinstellung in dem Moment einfach nicht hinterher kam.

Film Kodak Gold

Film Kodak Gold 200

Als Film habe ich bei Rossmann einen Kodak Gold 200 im Dreierpack gekauft. Hier gibt es sicher noch Verbesserungspotenzial, denn auch bei Filmen gibt es unterschiedlich gute. Und der Kodak Gold ist, soweit ich weiß, eher kein Profi-Film.

Hier also meine ersten Analogfotos aus der FM2.

Die Farben wirken immer wieder unterschiedlich, was durch die wechselnde Lichtsituation mit abwechselnd Sonne und Wolken erklärbar ist. Einen Weißabgleich gibt es ja bei Analogfilm nicht.

Nur bei dem Porträt von Antje habe ich den Weissabgleich etwas angepasst, ansonsten sind sie komplett unbearbeitet und lediglich fürs Web verkleinert.

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

Analog fotografieren mit Nikon FM2 im Garten

Mein vorläufiges Fazit zur Analogfotografie mit der Nikon FM2

An die analoge Fotografie mit allen Details, die ich fast vergessen hatte, muss ich mich erst einmal wieder gewöhnen. Manuell scharf stellen, belichten und natürlich alles nur mit Festbrennweiten – das ist eben wirklich verlangsamt.

Dazu ist die Filmentwicklung und das Scannen zusammen mit den Portokosten schon ganz schön teuer. Ich habe über 20 EUR bezahlt. Dazu kommen die Kosten für den Film selbst. Von 36 Bildern blieben letztlich rund 10 übrig. Aber die haben einen Charme, den ich tatsächlich digital nicht erreichen kann.

Auch das Gefühl, am Bild anschließend nichts mehr verändern zu können (was ja nur teilweise stimmt), ist für mich eine unglaubliche Erleichterung.

Analoge Fotografie bringt mir das Gefühl meines Hobbys zurück. Als einen kreativen Prozess, den ich nicht an allen Stellen bis ins Detail kontrollieren will.

(to be continued)

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Hendrik

Die Mischung von Fotografie und Film, also Foto-Video-Fusion, hat sich zu einem meiner Schwerpunkte entwickelt. Als Hochzeitsfotograf und Filmer bin ich in Hamburg und häufig auf Rügen und Hiddensee unterwegs, wo ich einige Zeit gewohnt habe. Neben den Menschen liebe ich auch die Natur und Tiere, so dass ich mich besonders freue, wenn ich mit meinen Paaren Zeit in der Natur verbringen kann. In meiner Freizeit schreibe ich gerne, sowohl im Blog als auch in Büchern. Meine Fachbücher sind im Buchhandel und online erhältlich.

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