Nikon AFS 24-120 ED VRVor etwa einer Woche habe ich meinen Widerstand aufgegeben und mir das 24-120mm 1:4G ED Zoomobjektiv von Nikon gekauft.

Zusammen mit der frisch angekündigten Nikon D600 Vollformatkamera könnte das eine vergleichsweise günstige Möglichkeit sein, sich für den Start in die Hochzeitsfotografie auszustatten (und natürlich auch für anderen Bereiche der Fotografie). Dabei wäre man dank der Fähigkeiten der D600 auch für den zukunftsträchtigen Bereich der Videografie bereits gut gerüstet.

Meine eigenene Ansprüche an die Bildqualität auch und gerade bei Hochzeitsfotos sind ziemlich hoch. Meine bisherigen Kaufentscheidungen waren dahingehend auch recht kompromisslos und erfüllten diesen Anspruch. So arbeitete ich bisher auf Hochzeiten immer mit zwei Profi-Kamerabodies (Nikon D3 bzw. D3S) und lichtstarken Objektiven mit mindestens Blende 2.8 durchgängig.

Drei Faktoren brachten mich aber zunehmend in Versuchung, es einmal mit etwas moderaterer technischer Ausstattung zu versuchen:

  1. Die hohen Kosten meiner Ausrüstung und den Aufwand, diese zu bedienen, führen auch zu höheren Preisen für meine Kunden. Dafür bekommen sie kompromisslos hohe Bildqualität auch unter schwierigen Lichtbedingungen. Aber: Nicht alle Brautpaare können und wollen sich das leisten. Und es gab einige sehr sympathische Paare, deren Budget für die „kompromisslose Variante“ einfach nicht ausreichte.
  2. Bisher trage ich meine oben erwähnten Kameras mit Objektiven an einem Kamerahalfter (SunSniper DPH) rechts und links am Körper. Je länger der Arbeitstag desto schwerer scheinen die Kameras zu werden und lasten irgendwann wie Blei auf meinen Schultern. Am Ende eines langen Hochzeitstages bin ich regelmässig auch körperlich erschöpft. Eine leichtere Ausrüstung wäre ein Traum.
  3. Einige meiner Kollegen und auch Blogger berichten sehr positiv vom Nikon 24-120mm f4.0 Zoom.

Am gleichen Tag, ein Donnerstag, an dem ich das Objektiv nun endlich bestellt hatte, bekam ich eine kurzfristige Buchung für eine Hochzeit am Samstag. Am Freitag traf das Objektiv vom Händler bei mir ein. Ich machte schnell ein paar Testfotos, um sicher zu gehen, dass der Autofokus richtig funktionierte und beschloss, die Hochzeit am Samstag gleich für einen intensiven Praxistest zu nutzen. Zur Sicherheit legte ich mir natürlich meine übliche Ausrüstung mit in den Kofferraum. Ich fahre generell lieber zu viel als zu wenig Ausrüstung im Auto zu einer Hochzeit spazieren.

Als Body für das Objektiv verwendete ich die Nikon D3S, so dass ich sicher sein konnte, im Notfall die eventuell mangelnde Lichtstärke des Zoomobjektivs durch eine höhere ISO-Einstellung kompensieren zu können.

Die kirchliche Trauung forderte dann auch tatsächlich alles, denn die Kirche war so dunkel, dass ich auf ISO-Werte von 3200 bis teilweise 6400 zurückgreifen musste. Für den absoluten Notfall hatte ich einen Aufsteckblitz dabei, wollte den aber wirklich nur im Ausnahmefall verwenden.

Das Nikon 24-120mm f4 (Amazon-Link) hat einen eingebauten Bildstabilisator, der es ermöglicht, auch längere Belichtungszeiten verwackelungsfrei zu halten. Das funktioniert auch. Allerdings nur bei Motiven, die sich nicht bewegen.

 

Mein Fazit

Das Nikkor AF-S 24-120mm 1:4G ED VR ist gut. Ich blieb konsequent und fotografierte die ganze Hochzeit nur mit diesem Objektiv. Die vorbereitete Zweitkamera konnte ich im Auto liegen lassen. Hätte ich zwischendurch Zweifel bekommen, hätte ich wechseln können. Aber was ich auf dem Display sah, gefiel mir. Natürlich hatte die D3S einen wesentlichen Anteil daran, dass auch die schwierigen Lichtverhältnisse in der Kirche zu meistern waren. Das Zusammenspiel klappte einwandfrei.

Sieht man denn überhaupt einen Unterschied? Ja, ich sehe Unterschiede. Das Bokeh, die Detailschärfe und Auflösung sind bei den Profi-Objektiven einfach noch etwas besser und schöner. Etwas. Allerdings relativiert sich dieser Unterschied nach einer Bearbeitungsrunde in Lightroom noch weiter. Ein Profil zur Objektivkorrektur ist dort schon vorgegeben, so dass Verzerrungen direkt ausgeglichen werden. Dazu habe ich mir geeignete Voreinstellungen für Schärfe und Gradation (Kontrast) eingestellt, so dass die Ergebnisse sich wirklich sehen lassen können.

Und meine neu gewonnene Bewegungsfreiheit und Gewichtsentlastung möchte ich nicht mehr missen. Mein Rücken sagt: „Danke, Nikon! Für dieses Objektiv.“